Blogeintrag 1: Wenn der Manager dem Model das Geschäft zerstört

Andere anschwärzen ist nicht mein Ding. Wer mich kennt, der beschreibt mich als respektvollen Fotografen, der Fehler zuerst bei sich und nicht bei den anderen sucht. Deswegen habe ich mich schwer getan, diesen Blog-Eintrag zu schreiben. Aber ich lasse mich auch nicht für dumm verkaufen. In dem Beitrag geht es um ein verkorkstes Shooting und um die Fragen:

  • Wie viel darf man sich als Fotograf gefallen lassen?
  • Ab wann muss man andere Fotografen vor der Zusammenarbeit mit einem Model und ihrem Manager warnen? 
  • Kann ein Model-Manager mehr Schaden anrichten, als dass er dem Model nützt?

Wie alles begann

Auf einem Foto-Event lernte ich im Januar einen sympathischen Kollegen kennen. Wir verstanden uns gut und diskutierten eine Weile über ein gemeinsames Projekt. Er erzählte mir von einem interessanten Model aus Frankreich. Nennen wir sie "Petrine Seychellen" (Name geändert).

 

Da der befreundete Fotograf von dem Model zu dieser Zeit begeistert war und da sie bald auf Durchreise in Frankfurt sein würde, versuchte ich ein Shooting mit ihr zu vereinbaren. Sie hatte Zeit und war, nach Prüfung meiner Bilder, bereit mit mir zu arbeiten.

VERLINKEN VERBOTEN - FÜR MICH KEIN PROBLEM

Der Vertrag, der mir vorab geschickt wurde, war ziemlich ungewöhnlich. Sie besteht z. B. darauf, in sozialen Medien nicht unter den Bildern verlinkt zu werden. Es erschien mir zwar unlogisch, schließlich ist es doch Werbung für sie und erhöht ihre Reichweite, aber sie arbeitet mit vielen Fotografen zusammen, die sie nicht kennt. Daher denke ich, dass sie sich mit der Klausel einfach schützen will.

  

Damit habe ich kein Problem. Es ist ihre freie Entscheidung, ob sie verlinkt werden möchte oder nicht und das respektiere ich. Insgesamt erschien mir der Vertrag noch akzeptabel, so dass wir einen Termin für ein Fashion/Lifestyle Shoot (kein Akt/Teilakt oder Unterwäsche) vereinbarten. Die Planung konnte beginnen.


Ich häng mich voll rein, aber Langsam wird's komisch

Da Petrine nicht alle Tage in Frankfurt und auch nicht gerade günstig ist, wollte ich einen besonderen Shoot organisieren. Dazu habe ich zwei Oldtimer klar gemacht (Alfa GTV und Porsche 357) und einen erfahrenen Assistenten organisiert. Die Oldtimer nach Frankfurt zu bekommen war nicht einfach und auch nicht günstig. Alleine für Benzin ist ein dreistelliger Betrag drauf gegangen und drei Leute mussten eingebunden werden, um die Überfahren zu organisieren.

 

Wenige Tage vor dem Shoot kam mir die Idee, dass ein befreundeter Videograf ein Behind the Scenes Video machen könnte. Da ich mir aber nicht sicher war, ob das für Petrine ok ist, habe ich sie in einer Mail gefragt. Darauf folgte der erste Auftritt ihres "Managers". Die klare Antwort war "Nein" (Mittlerweile findet man die Info dazu auch auf ihrer Website, damals war das nicht der Fall). Mit der Antwort hatte ich kein Problem, eher mit der Art wie der "Manager" kommunizierte. Auf meine höfliche Anfrage, kam eine schroffe, geradezu unverschämte Antwort mit Sätzen wie: "This is not a show"; Ich konnte nur den Kopf schütteln, habe das aber erstmal geschluckt.

 

Was mir schon schwerer fiel, war dass auch kein Assistent am Set erlaubt wurde. Die Begründung: der Manager müsse das Image von Petrine beschützen und auf die Qualität der Bilder achten. Jetzt soll mir mal einer erklären, warum ein Assistent am Set das Image beschädigt oder die Qualität der Bilder verschlechtert. Nach meiner Erfahrung werden die Bilder mit erfahrenem Assistent nur besser. Ganz nebenbei erwähnt: Der Assistent kommt immer bei den Models gut an. Er ist nicht die Art Assistent, der sich als Gaffer auszeichnen würde - zumal es auch kein Akt/Teilakt/Unterwäsche Shoot war. Ich konnte es zwar nicht verstehen, aber auch bei diesem Punkt habe ich nicht diskutiert, sondern einfach die komischen Bedingungen akzeptiert. 

JETZT GEHT'S LOS: SHOOT FAST ABGESAGT

Zum ersten Mal richtig problematisch wurde es, als der Manager auch dem Eigentümer der Oldtimer verbieten wollte, am Set zu sein. Wie ihr euch vorstellen könnt, sind die Autos wertvoll und sehr gepflegt und der Eigentümer hatte ein berechtigtes Interesse, sicher zu gehen, dass den Autos nichts passiert. Außerdem mussten die zwei Autos während des Shoots mehrfach bewegt werden. Nicht zu vergessen: ich akzeptierte ja auch den Manager am Set, der mit Sicherheit mehr stören würde als der Eigentümer der Autos.

 

Ich antwortete also dem Manager, dass der Shoot entweder mit dem Eigentümer stattfindet oder gar nicht. Er sagte daraufhin den Shoot zunächst ab. Kurz darauf antwortete Petrine, widerrief die Aussage ihres "Managers" und sagte, dass es ok sei. Nun gut - ich bin ja nicht nachtragend - lass uns nach vorne schauen und ein coolen Shoot mit guter Stimmung am Set haben.

SHOOTING-TAG: DER "MANAGER" WÄRE WOHL GERNE CREATIVE DIRECTOR

Am Tag des Shoots waren die beiden pünktlich bei mir. Da ich gute Bilder wollte, war ich sehr bemüht, das Geschehene zu verdrängen und eine gute Atmosphäre zu schaffen. Sie machte ihre Sache sehr gut. Was mich allerdings mehr und mehr nervte, war, dass der Manager permanent hinter mir stand und auf's Display schielte. Wenigstens hielt er ab und zu den Reflektor - eher schlecht als recht, aber zumindest bekam ich ihn so weg von meiner Kamera.

 

Zum Ende des Shoots kam eine leichte Briese auf. Sie mag es anscheinend nicht, wenn ihr Pony im Wind weht. Wenn sie das stört, dann respektiere ich das natürlich und versuche solche Bilder zu vermeiden und falls eins zufällig entsteht, dann lösche ich es oder veröffentliche es zumindest nicht. Trotzdem stand ab dann der Manager dauerhaft hinter mir und kontrollierte jedes Bild.

 

Ironisch: Am Ende des Shoots sagte mir der Manager, dass die Fotos toll seien und dass ich sie ihm unbedingt schicken solle. Da dachte ich mir schon: "sicher nicht"


Es wird noch schlimmer: Rechnung? Geht nicht!

Der absolute Oberknaller kam allerdings am Ende. Als ich den Manager um eine Rechnung bat, erklärte er mir (natürlich von oben herab), dass das unmöglich sei. Petrine könne keine Rechnungen stellen. Die einzige Möglichkeit sei über ihre Agentur in Paris eine Rechung zu bekommen, die sei allerdings deutlich höher als vereinbart. Das Geld, das ich bezahlt habe, sei zudem gar nicht der Preis für den Shoot, sondern nur ein Unkostenbeitrag für ihre Anreise, ihre Klamotten, ihr Makeup etc. 

 

Obwohl meine Geduld ihr Ende erreichte, nahm ich mir die Zeit ihm zu erklären, warum es für mich wichtig sei, eine Rechnung zu haben und warum mir bares Geld entginge, wenn ich keine Rechnung bekäme. Als er insistierte, dass er mir keine Rechnung stellen würde, gab es für mich 2 Möglichkeiten:

  1. Ich zeige ihn an
  2. Ich suche nach einer freundschaftlichen Lösung, um auf anderem Wege an mein Geld zu kommen

Warum bin ich eigentlich so nett?

Da Anzeigen ja nichts schönes sind und nur Zeit und Nerven kosten, schlug ich ihm vor, dass ich 10 Prints verkaufe und dann wäre die Sache geritzt. Er schien das nicht richtig zu verstehen. Ich musste es ihm vier Mal erklären, auch telefonisch und auf Französisch. Ich dachte er hätte es am Ende gerafft - aber da habe ich mich geirrt. Bis zum Ende warf er mir vor, ich wolle mir die kommerziellen Nutzungsrechte erschleichen - das sei von Anfang an mein Plan gewesen. Dabei sagte ich ihm bis zum Schluss "gibt mir einfach eine Rechnung und fertig, dann brauche ich mich auch nicht um die Vermarktung von 10 Prints zu kümmern".

 

In einer weiteren beleidigenden Email beharrte er darauf, dass ich weder eine Rechnung noch das Recht zur Vermarktung der Prints bekäme. Also blieb mir nichts anderes als ihm mit einer Anzeige wegen Steuerhinterziehung zu drohen. Erst nach dieser Drohung schickte er mir eine Quittung mit dem Hinweis, dass er die Unterlagen nun seinem Anwalt übergebe und sich eine Klage vorbehalte. Für meine Steuererklärung soll die Quittung erstmal reichen. Angezeigt habe ich ihn noch nicht, aber reizen würde es mich schon. Vielleicht bin ich doch ein bisschen nachtragend. Wer kann es mir verübeln?

 

Lag das jetzt an mir oder gibt es noch mehr geschädigte?


Als ich das erste Bild von ihr auf Facebook postete, hatte ich eigentlich nicht vor, meine schlechten Erfahrungen mit Petrine zu thematisieren. Es kam aber sofort die Frage, warum ich das Model nicht verlinken würde. Als ich erklärte, dass es vertraglich so vereinbart sei, kamen zuerst viele Models und Fotografen, die das Verhalten von Petrine und ihrem Manager für abgehoben hielten. Nach und nach meldeten sich allerdings auch immer mehr Fotografen, die absurde Erfahrungen mit dem Duo gemacht haben - darunter auch der befreundete Fotograf, der mir Petrine ursprünglich empfohlen hatte. Hier ein paar Highlights zusammen gefasst (Ob die Vorwürfe zutreffen, kann ich nicht sagen. Nach meinen eigenen Erfahrungen mit den beiden erscheint es mir aber wahrscheinlich).

  • Ein Fotograf berichtete, dass die beiden im Stau standen und zu spät zum Shoot erschienen. Nicht gerade professionell, aber kann ja mal passieren. Richtig schlimm wird es erst dadurch, dass der Manager darauf bestanden habe, die Verspätung als Shooting Zeit anzurechnen.
  • Ein anderer Kollege shootete mit ihr bei einem Workshop eines bekannten Fotografen-Duos in Deutschland. In seinem Vertrag stand nichts zum Thema "Verlinkung" ihres Namens. Eines Tages flatterte angeblich eine unverschämte Mail des Managers ins Postfach, in der direkt mit dem Anwalt gedroht wurde, wenn die Verlinkung nicht unverzüglich entfernt würde. Der Kollege sagte mir: "Hätte er freundlich angefragt, hätte ich den Link ohne Probleme entfernt, aber der Ton in dem der Manager sprach, war so unmöglich...".
  • Ein weitere Geschädigter berichtete mir, dass die beiden 30 Minuten vor dem Shoot absagten. Begründung: Sie arbeite nicht mir Rauchern. Mittlerweile steht das sogar in den Konditionen auf der Website. Als ich selbst sie buchte, tat es das noch nicht. Deswegen glaube ich die Story gerne.
  • Erst heute berichtete ein Fotograf, dass er letztes Jahr mit ihr ein Akt shooting hatte - "wie immer mit Vertrag". Einige Monate später kam eine Mail des Managers, die Bilder von allen Netzwerken zu entfernen, da Sie eine Veröffentlichung in einem Magazin anstrebe und ihr Image schützen müsse. Wenig später kam dann eine Email mit Verweis auf einen Anwalt in München und Drohung mit rechtlichen Schritten.

Zusammenfassung: Was habe ich gelernt?

Zu den ursprünglichen Fragen:

 

Wie viel darf man sich als Fotograf gefallen lassen?

Ich habe mir eindeutig zu viel gefallen lassen. Geblendet von einem tollen Model und sicher auch dadurch, dass ich viel Organisationsaufwand in den Shoot gesteckt hatte, wollte ich unbedingt, dass es in guter Atmosphäre stattfindet - deshalb habe ich viel runter geschluckt. Am besten wäre gewesen, bereits bei den ersten Anzeichen (z. B. kein Assistent erlaubt), die Notbremse zu ziehen. Spätestens als der Manager einen auf Art Director gemacht hat, hätte ich ihn aber zurück pfeifen müssen. Und eines habe ich auch für immer gelernt: Es wird erst bezahlt, wenn ich eine Rechnung habe. Achtung: Neuerdings fordert Sie eine Anzahlung bei Buchung - anscheinend ist das Thema Bezahlung öfter zum Thema geworden. Mich überrascht es nicht mehr.

 

Ab wann muss man andere Fotografen vor der Zusammenarbeit mit einem Model und ihrem Manager warnen? 

Ich denke das hier ist so ein Fall, bei dem man unbedingt warnen muss. Ja, sie ist ein tolles Model und ich kann gut verstehen, dass man mit ihr shooten möchte - wollte ich ja auch. Aber was bleibt, sind hauptsächlich negative Erinnerungen und die Zweifel, ob nicht auch bei mir in einigen Monaten ein Anwaltsschreiben ins Haus flattert. Es gibt viele andere Models, die in ihrer Liga oder noch höher spielen und die es schaffen, auf dem Boden zu bleiben. Die Vielzahl an Fotografen, die sich nun mit ähnlichen Stories meldet, spricht für sich. Manche Leute fliegen so hoch, dass sie sich die Flügel verbrennen und dann tief stürzen.

 

Warum habe ich dann ihren Namen abgeändert, wenn man doch vor dem Duo warnen muss? Weil es mir in erster Linie nicht um die Warnung geht, sondern darum zu berichten, was ich erlebt habe, damit andere Fotografen entscheiden können, wo sie ihre Grenzen ziehen. Falls trotzdem jemand gerne mit ihr zusammen arbeiten will, kann ich nur empfehlen, darauf zu bestehen, dass der Manager dem Shooting fern bleibt, dass eine ordentliche Rechnung ausgestellt wird und dass - sofern gewünscht - Assistenten am Set erlaubt werden.

 

Kann ein Model-Manager mehr Schaden anrichten, als dass er dem Model nützt?

Definitiv ja. Sie wäre gut beraten, sich einen neuen Manager zu suchen. Die arme macht ihren Teil des Jobs ja echt gut, aber mit diesem Manager hat man keine Lust 2x zusammen zu arbeiten. Man muss keinen Doktor in BWL haben, um zu verstehen, dass es besser ist, sich einen treuen Kundenstamm aufzubauen, als stets nach neuen Fotografen suchen zu müssen, die nur 1x mit einem zusammen arbeiten und danach frustriert abwandern. Das traurige an der Sache: Wahrscheinlich denkt Sie auch noch, dass sie einen tollen Manager hat. Immer gibt es Streit und er kümmert sich um alles. Dass es auch ohne Streit und mit einem treuen Kundenstamm ginge, scheint ihr zu entgehen. Petrine, wenn du das hier liest, such dir bitte einen neuen "Manager".